Samstag, 14.09.2013

 

Am Morgen wache ich vor meinem Mitfahrer auf und beschließe, ihn noch schlafen zu lassen und mich auf Foto-Safari durch Trogir zu begeben. Die Altstadt liegt in schönem Morgenlicht und ich finde große Freude daran, die kleine Insel bei Tageslicht zu durchstreifen.

Mein Mitfahrer ruft mich bald an und wir verabreden uns am Haupttor in die Altstadt. Wir gönnen uns ein Frühstück und lassen uns noch mal ein wenig durch Trogir treiben. Dieses Städtchen ist wirklich sehr schön.

Wir haben beim Frühstück die Entscheidung getroffen, heute bis nach Trieste durchzufahren. Ich beschliesse, Brian und Barbara in München zu fragen, ob sie gerade da sind und ob ich sie auf dem Rückweg besuchen kann, dann wäre meine nächste Etappe nicht ganz so weit.

Auf dem Weg zurück ins Appartment, durchstreifen wir noch den farbenprächtigen Markt.

Um 10 Uhr klopft unsere Vermieterin das erste Mal am Appartment. Am Vortag hatte ich ihr diese Zeit für unsere Abreise gesagt. Wir brauchen aber noch eine Weile bis wir fertig gepackt haben. Eine halbe Stunde später stehen wir an den Motorrädern und nehmen die letzten Handgriffe vor. Ich schicke der Vermieterin noch eine SMS, um uns für das schöne Appartment zu bedanken. 2 Minuten später kommt sie schon mit ihrem Ehemann vorbei, da sie gleich die Wohnung sauber machen wollen. Herzlich verabschieden sie sich von uns. Es ist wirklich immer wieder toll, diese Freundlichkeit zu erleben. Wir haben für 50 Euro in einem 3-Zimmer-Appartment übernachtet.

Wir haben beschlossen, daß wir auf dem direkten Weg zu Autobahn fahren, da wir doch einiges an Strecke vor uns haben. Daher geht es einen Bergzug hoch hinein ins Inland, von dem aus wir noch mal einen sehnsüchtigen Blick zurück auf Trogir werfen können. Der sentimentale Abschiedstag von der Adria hat begonnen.

Wir bringen ein ordentliches Stück Autobahn hinter uns, wobei wir uns einmal für eine Weile verlieren, da ich anhalten muß, um meine Motorradklamotten etwas zu sortieren.

Bei Senj fahren wir wieder an die Küste. Die Autobahn geht dort zu weit ins Inland und wir wollen noch mal an der Adria zu Mittag essen. Kurz nach Senj finden wir ein schön gelegenes Restaurant und geniessen noch mal ein letztes Mal in Ruhe den Blick auf die Adriaküste und ein sehr leckeres Essen in angenehmer Umgebung.

Brian hat mir geantwortet, daß ich sie gerne besuchen könne und daß sie planen, am Sonntag Abend peruanisch essen zu gehen. Klar, da bin ich dabei!

Wir geniessen das letzte Stück Fahrt an der Adriaküste entlang. Als wir die Stelle passieren, an der wir am ersten Tag der gemeinsamen Reise unsere erste Pause eingelegt haben, unseren Proviant teilten sowie einen Espresso tranken, werden wir doch sehr sentimental. Unaufhörlich geht diese wunderbare Reise ihrem Ende zu. Schließlich kommen wir auch am Anfang der gemeinsamen Reise vorbei, dem kleinen Geldwechsel-Laden, der heute aber geschlossen hat. Es kommt mir vor, als wäre das schon ewig lange her.

Am Abend sprechen wir noch mal darüber. Uns beiden kommt es vor, als würden wir uns schon ewig kennen. Gelegentlich haben wir während der Reise darüber gesprochen, daß es ja eigentlich schon Bestimmung sein muß, daß wir uns getroffen haben: Ähnliches Alter, ähnliche Motorräder, am Morgen sehr nahe voneinander gestartet, mit demselben Ziel, in einer sprachlichen Konstellation, die eine bereichernde Kommunikation miteinander ermöglicht, beide mit so viel Toleranz, daß ein Zusammenleben auf engem Raum für die Zeit der Reise ohne Probleme möglich ist, und einigen zusätzlichen Anknüpfungspunkten und natürlich vielen unabhängig voneinander gemachten Reiseerfahrungen. Wären nur winzige Kleinigkeiten an diesem ersten Tag, als wir uns trafen, anders gelaufen, hätte ich morgens nicht auf dem Campingplatz noch auf die Öffnung der Kasse warten oder auf der Fahrt nicht weit vor dem Geldwechsel noch mal austreten müssen, dann wären wir uns wahrscheinlich nie begegnet.

Ich empfinde es als großes Glück, daß ich mit meinem italienischen Mitfahrer nicht nur eine unvergessliche gemeinsame Reise erleben durfte, sondern daß ich darüberhinaus auf dieser Reise auch einen guten Freund gefunden habe.