Montag, den 21.03.

Nach dem Frühstück bringt Günter uns in den Laden, wo er die Telefonkarte gekauft hat, denn natürlich funktioniert das wieder mal nicht. Die Menschen dort sagen, es läge am iPhone, was nicht sein kann, denn es ist entsperrt und unterschiedliche Hardware ist kaum zu glauben. Wir fahren allein weiter, suchen vergeblich den Laden mit den Messern aus Jinmen 金門菜刀 Jīnmén càidāo. Dabei finden wir einen kleinen Appleshop mit zwei Mitarbeitern drin sitzen, die unser Telefon-Problem lösen. Offensichtlich muss nach dem Einlegen der Telefonkarte das iPhone noch mal über iTunes online aktiviert werden. Der eine Mitarbeiter, ein Teenie, gibt sich wirklich viel Mühe und auch der Chef ruft bei unserem Kartenprovider an, um zu klären, wie der Internetzugriff funktioniert. Auch das ist dann geklärt. Für beinahe eine halbe Stunde Support brauchen wir nichts zu bezahlen. Die Hilfsbereitschaft ist wirklich beeindruckend.

Wir haben uns heute mit Peter und Brigitte an der Furen University 輔仁大學 Fǔ rén dàxué, an der Wolle vor 25 Jahren für ein halbes Jahr Chinesisch gelernt hat, verabredet. Daher können wir nicht weiter nach den Messern aus Jinmen suchen. Zumindest haben wir eine Adresse erhalten, wo diese zu kaufen sind. Die Busfahrt raus zu Furen University vorbei an Ikea und unzähligen anderen Läden ist schon nett. Nach einem kleinen Imbiss suchen wir noch die Straße, in der Wolle damals gewohnt hat - nur an das Haus bzw. die Hausnummer erinnert er sich nicht mehr. Mittlerweile gibt es auch nicht mehr die Felder, durch die er früher von seinem WG-Zimmer zur Uni zu Fuss gehen konnte. Dort ist nun eine Art Industriegebiet, mit vielen mittelgroßen Betrieben. Aber die Gegend um die Furen-University und auch der Campus selbst kommen Wolle noch seltsam vertraut vor. "Dort in dem Laden gegenüber des Haupteingangs habe ich immer ein Rote-Bohnen-Eis gegesssen", und ähnliche Hinweise erhält Brigitte.

Am Eingang der Furen University warten wir auf Peter. Wir sind eine Stunde zu früh, da Wolle seine Uhr falsch umgestellt hat. Aber wir haben ein nettes Plätzchen und machen dort ein bisschen Pause bis Peter uns abholen kommt. Wir verplaudern den Nachmittag beim Kaffee auf dem Campus mit Peter. Es ist unglaublich warm und schwül. Nach einem Abstecher in die Wohnung von Peter & Brigitte um die Ecke der Furen-University, gehen wir Abends zusammen essen. Peter & Brigitte haben sich ein Restaurant ausgesucht, das sich italienisch-europäischen Touch gegeben hat, da es dort leiser und besser zum Sitzen und Reden ist als in den üblichen chinesischen Lokalen. Trotz des nach europäischen Massstäben bescheidenen Essens (eigentlich können die Chinesen Nudeln doch wirklich besser!) unterhalten wir uns gut und es ist schön, Brigitte und Peter wieder mal zu treffen.

Der Abschied fällt ein wenig kurz aus, da an der Haltestelle gerade der passende Bus ankommt. Also nichts wie rein und schon lassen wir die Furen-University und 25 Jahre Zeitsprung für Wolle hinter uns.

Am Abend sitzen wir noch eine Weile mit Günter und Sheng-ching zusammen und um Mitternacht gibt es dann Geburtstagsgratulationen für Wolle. Er ruft noch bei seinen Eltern an, seine Mutter allerdings ist der Meinung, dass es noch nicht gilt, da in Deutschland noch nicht der 22.3. angebrochen ist und sie sich erst "morgen" meldet, um zu gratulieren.