31.12., Donnerstag

Nach einer etwas unruhigen Nacht - um 2 Uhr nachts werden wir durch eine eingehende SMS (Danke lieber Klaus!) geweckt und sind dann erst mal putzmunter - stehen wir um 9 Uhr morgens auf und machen uns über das Frühstücksbuffet her: Natürlich haben wir nur die leckeren chinesischen Frühstücksbestandteile ausprobiert. Gut und ausgesprochen nahrhaft.

Wir haben uns für den Tag zum Besuch der verbotenen Stadt (Kaiserpalast 故宫 Gùgōng) entschlossen, wobei wir vom Hotel aus erst mal zum südlichen, dem "vorderen Stadttor" (前门 Qiánmén) gehen, nochmals den Platz des himmlischen Friedens 天安门广场 Tiān'ānmén Guǎngchǎng überqueren (am Mao-Mausoleum 毛主席纪念堂 Máo zhǔxí jìniàntáng und der Großen Halle des Volkes 人民大会堂 Rénmín Dàhuìtáng vorbei) und durch das 天安门 Tiān'ānmén auf die verbotene Stadt zusteuerten. Ein kleiner Abstecher vor dem Kaiserpalast 故宫 Gùgōng machen wir noch in den beschaulichen und winterlich ruhigen Sun Yat-sen-Park 中山公园 Zhōngshān gōngyuán. Muss im Sommer sehr beschaulich sein.

Der Rundgang durch den Kaiserpalast 故宫 Gùgōng bietet mit immer neuen Perspektiven in weiteren Innenhöfen eine unendliche Anzahl von Fotomotiven. Nach einem halben Tag bemerkten wir allmählich, wie unsere Wahrnehmungsfähigkeit zur Neige geht und nach einem Jasmintee in einer kleinen Teestube machten wir uns auf zum nördlichen Ausgang.

Ein Besuch des Kaiserpalastes 故宫 Gùgōng kann nur vollständig sein, wenn man danach noch auf den nördlich gelegenen Kohleberg (Jingshan Park 景山公园 Jǐngshān gōngyuán) mit den drei Pagoden steigt, von dem sich ein wunderbarer Blick auf die verbotene Stadt bietet.

Weiter geht unsere heutige Wanderung in Richtung Beihai-Park 北海公园 Běihǎi gōngyuán auf die Jadeinsel mit der weissen Pagode auf dem höchsten Punkt. Als letzten Besuchern an diesem Tag (es ist ca. 16:20, ab 17 Uhr wird es hier schon dunkel) schlossen die Ausichtskräfte hinter uns alle Türen auf dem Weg nach oben - man durchquert beim "Aufstieg" einige Gebäude und kleine Tempel.

Wir schlenderten wie etliche chinesische Besucher des Parks dann am Běihǎi 北海 (das ist der Name des Sees, der die Jadeinsel umgibt) auf der östlichen Seite entlang. Die Parks hier sind wirkliche Oasen der Ruhe und Entspannung. Sicher weniger als im Sommer und bei wärmerem Wetter, aber auch im Winter lassen sie sich geniessen. In der Nähe des nordöstlichen Ausgangs des Beihai-Parks 北海公园 Běihǎi gōngyuán, auf dem zugefrorenen Qianhai-See 前海 Qiánhǎi tobt das Eisvergnügen. (Alle Seen und Gewässer sind in Peking zur Zeit dick zugefroren.) Neben dem normalen Schlittschuhfahren ist auch das Schieben von Schlitten-ähnlichen Gefährten beliebt, manche bewegen diese Dinger mit Stöcken voran, einige haben auch eine kleinen eingebauten Fahrradreifen.

Nach weiterem Herumschlendern gehen wir in ein Restaurant der gehobenen Klasse, das 大三元酒家 Dàsānyuán jiǔjiā. Wie überall gibt es auch hier sehr, sehr viele Angestellte, die dann während des Auswählens aus einer bebilderten Menükarte neben einem stehen und warten - das ist allerdings eher üblich auch wenn es uns Westler immer wieder irritiert. Auch in den Läden der Einkaufsstrassen kommen immer gleich Verkäufer auf jeden Kunden zugestürzt und natürlich auch auf den Nachtmärkten. Lästiger sind aber eher die Touristennepper und Bettler, auf die man doch auch immer wieder mal stösst.

Das Essen ist ganz lustig (und gut!), da irgendwann die Bedienungen lockerer werden und auf Wolles Chinesisch-Brocken eingehen, ihn über den grünen Klee für seine miseralben Chinesisch-Kenntnisse loben. Aber mit Englisch wären wir in diesem Lokal nicht weitergekommen. Danach kaufen wir uns dann noch auf der 王府井 Wángfǔjǐng eine kleine Flasche Sekt und etwas Knabberzeug, denn das westliche Sylvester wird in Peking nicht gefeiert und wir verlegen es aufs Hotelzimmer.