19.01.2010, Dienstag

Es ist der Beginn unserer vierten (!!!) und letzten Reisewoche. Heute früh haben wir im Hotel die Balkontür aufgemacht, im Bett liegend den Vögeln und dem Flußrauschen gelauscht und uns über die gute Luft gefreut. Der Ausflug in die Natur ist eine wunderbare Abwechslung und hilft uns vielleicht, den lästigen Husten los zu werden, der wahrscheinlich eine Mischung aus Erkältungsresten, "Staub"-Lunge und Klimaanlagenallergie ist.

Wir haben beschlossen, am heutigen Tag ungefähr die halbe Strecke bis zum Sonne-Mond-See 日月潭 Rìyuètán zu fahren. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich im Laufe des Tages herausstellen wird.

Nach dem Genuss des wirklich reichlichen Frühstücksbuffets (vor allem im Vergleich zur gestrigen Unterkunft) decken wir uns noch mit einigen Sachen im Laden in 天祥 Tiānxiáng ein.

Über eine kurvige Straße, zuerst noch in der Tarokoschlucht, dann auf dem Central Cross Island Highway, geht es unaufhörlich in die Höhe. Immer wieder sind kurze Tunnels in den Fels gehauen. Die Strasse ist manchmal nur einspurig und man muss zudem aufpassen, dass man nicht über einen der heruntergepurzelten Felsbrocken fährt. Wir machen immer wieder kurz Station, um die fantastischen Ausblicke zu geniessen und zu fotografieren. Einer unserer Stops ist bei einer 3000jährigen Zeder mit einem Durchmesser von 3,5m und einer Höhe 50m.

Das Wetter meint es nur gut mit uns. Wir haben strahlenden Sonnenschein und damit auch weite Sicht. Die erste Schneekuppe kommt in Sicht. Eine Gruppe von Studenten aus 花蓮 Huālián in zwei Autos begegnet uns immer wieder und irgendwann gibt es die obligatorischen Gruppenfotos.

Am Abzweig nach Süden Richtung Pass werden wir zum ersten Mal von Schneekettenverkäufern belagert. Aber wir sehen hier noch keine Notwendigkeit, die Strassen sind völlig frei und wir gehen davon aus, dass es dort, wo es nicht mehr weitergeht ggf. schon auch noch Schneeketten gibt.

Allmählich kommen wir auf 3000 m Höhe und immer näher an den Schnee heran. Kurz vor einem Pass am 合歡山 Héhuān Shān vorbei werden wir von Polizisten darauf hingewiesen, dass es ohne Schneeketten nicht weitergeht. Also kaufen wir welche und lassen sie aufziehen. Und los geht es in das nächste Abenteuer. Die ersten paar hundert Meter sind unproblematisch, dann gibt es einen Stau. Zwei Bagger (!) befreien die Strasse von festgefrorenen Eisplacken, Bagger, Autos, Polizei und Helfer produzieren ein ziemliches Chaos. Jeder Schweizer oder Österreicher würde nur den Kopf schütteln über diese wenig professionelle Schneeräumung, die aber möglicherweise auch keine wirkliche Schneeräumung sein soll, denn wer würde dann noch an den Schneeketten verdienen? Eigentlich ist nicht wirklich mehr als eine Strecke von 150 Metern betroffen und trotz der Ketten bleiben wir mit unserem Wagen im "Sulz" hängen. Auch ein sich als "professioneller" Fahrer anbietender Chinese kommt nicht besser durch als Wolle, im Gegenteil. Erst ein Abschleppdienst zieht uns durch die problematische Stelle. Danach ist die Strasse komplett frei, das Ganze ist reichlich kurios.

Auf dem Bergkamm in einer Höhe von 3275m gibt es absolut beeindruckende Ausblicke auf die Gipfelwelt um uns herum. Es handelt sich um die höchste befahrbare Strasse Taiwans und entsprechend viele Ausflügler sind hier zu finden.

Irgendwann wird es auch Katharina mit dem Schnee zu viel, denn sie lernt die Nachteile kennen: kalte und nasse Füsse. Zudem merkt man doch die dünne Luft und wir haben auch den ganzen Tag nichts Richtiges gegessen - es wird also Zeit, sich eine Unterkunft zu suchen. Das erstbeste Hotel 清境農場楓葉山莊 (maple leaves) im erstbesten Ort erweist sich als gute Wahl. Wir bekommen ein nettes Zimmer mit Balkon in einem Fachwerkhaus (!), zum Abendessen einen Mini-Hot-Pot, der lecker und wärmend ist, ein mittelprächtiges Frühstück und das Ganze für 1.800 NT$, also gerade mal 45 Euro. Die ganze Gegend fängt an, touristisch zu werden und ist so etwas wie eine taiwanesiche Schweiz mit angeschlossenem Streichel-Zoo und Vergnügungspark.

Nach dem Essen machen wir noch einen Ausflug zum örtlichen Seven-Eleven und bestaunen das Sternenzelt. Den Abend beschliessen wir mit einer Dosen-Party (3x Bier, 1x Ovomaltine, Chips, Nüsse, Schoko und getrocknete Tintenfischstreifen).