10.1.2010, Sonntag

Heute ist der Tag der Weiterreise nach Taipei. Wir müssen mal wieder richtig früh aufstehen. Um kurz nach 6 Uhr geht der Wecker, Frühstück und letztes Packen ist angesagt, Auschecken und Taxifahrt zur Haltestelle der Transrapidstrecke (Maglev bzw. 磁悬浮列车 Cíxuánfú lièchē) zum Internationalen Flughafen Pudong 上海浦东国际机场 Shànghǎi Pǔdōng Guójì Jīcháng. Wir erwischen einen gut gelaunten Taxifahrer, der seine kitschige Musik etwas lauter stellt und mitsingt. Wir stellen wieder einmal fest, dass wir auf der Reise mit dem Wetter riesiges Glück haben, denn in Shanghai regnet es heute, das Internet verspricht uns dagegen Sonnenschein bei etwas über 20 Grad für Taipei. Die Fahrt mit dem Transrapid zum Flughafen ist nicht wirklich spektakulär. Zahlreiche Mitfahrer machen von der Geschwindigkeitsanzeige, die bei 301 km stehen bleibt genauso ein Foto wie wir. Nach dem Aussteigen noch ein wohl obligates Foto vom stehenden Transrapid. Einzig die wenigen Kurvenfahrten mit einer recht eindrucksvollen Neigung sind besonders.

Der Flug nach Taipei ist nur halb ausgebucht. Um 11:00 Uhr geht unser Flieger recht pünktlich los und kommt genauso pünktlich um 12:55 in Taipei auf dem Flughafen Taoyuan 台北桃园机场 an. Wir brauchen kein Visa für den Taiwan-Aufenthalt, so dass wir gleich in die Passkontrolle können. Brigitte und Wolle stehen an verschiedenen Schaltern an. Wolle wird von der Angestellten gefragt, ob er schon mal in Taiwan war. Bei der Antwort "vor 24 Jahren" kommt die junge Frau, die sicher unter 30 ist, sichtlich ins Nachrechnen.

Wolle ist beim Verlassen des Ankunftsbereichs richtig aufgeregt. Das Wiedersehen mit Taiwan, mit Günter und seiner Familie und vielleicht auch die Erwartung auf kommende "Deja vu"-Gefühle ist doch sehr spannend.

Günter ist gleich entdeckt, die Freude gross. Günter hat sich die Mühe gemacht, mit dem Auto an den Flughafen zu fahren. Das nennt man wirklichen Luxus! Wir machen uns auf zum Hotel, das sich neben dem chinesischen Namen 喬合大飯店 den westlichen Namen "Deja-vu" gewählt hat. Passender kann das Hotel für Wolle und das Wiedersehen mit Taiwan kaum sein. Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt dauert ungefähr eine Stunde. Das Zimmer ist OK und die Lage recht zentral. Wir "richten uns ein", darin sind wir inzwischen schon routiniert. Etwa eine Stunde später, gegen 16:45 fahren wir mit Günther wegen des hervorragenden Wetters als erstes zum 101, das bis vor einer Woche mit rund 500 m Höhe noch das höchste Gebäude der Welt war (in Dubai wird gerade ein höheres Gebäude errichtet). Günter kommt mit Katharina, seiner fünfjährigen Tochter, die natürlich keine Erinnerung mehr an ihren Besuch vor 3 Jahren in Hamburg bei uns hat, aber sich doch aufgrund der Erzählungen von Günter und den Bildern, die er ihr gezeigt hat auf uns freut. Trotzdem muss sie aber erst einmal natürlich mit uns warm werden.

Der 101 ist schon sehr beeindruckend (Die Form soll an einen Bambus erinnern) und die Fahrt nach oben erst recht. Der Ausblick ist nicht ganz so optimal, es ist sehr diesig. Es gibt für alle ein Eis und wahrscheinlich ist das einer der Gründe, weshalb Katharina gerne mit auf den 101 geht. Wir trödeln so lange, bis die Lichter angehen. Das Pulsieren der Großstadt wird sichtbar, es sieht wirklich schön aus. Im Inneren des Turms ist ein Kugel installiert, die etwa 1% des Gebäudegewichts hat und Schwankungen deutlich dämpfen soll bspw. bei Taifunen.

Wir bleiben nicht mehr allzu lang, denn wir haben Hunger und sind mit Günters Frau Sheng Ching in einem Sichuan-Restaurant verabredet. Lecker. Wir schlagen uns die Mägen voll. So allmählich taut auch Katharina auf und wir haben eine ganze Menge Spass während des Essens und auf dem Weg zum Hotel, auf dem uns die kleine Familie begleitet.

Nachdem wir ihnen unser Hotelzimmer gezeigt und das Mitbringsel für Günter überreicht haben, machen wir uns noch mal zu einem kleinen Erkundungsrundgang auf und kaufen ein paar Kleinigkeiten in einem Supermarkt. Dann sinken wir aber auch sehr schnell müde in unser Hotelbett und hoffen auf einen guten Schlaf.