Montag, 02.09.2013

 

Ich wache wieder früh auf und packe meine Sachen zusammen. Alles schon Routine.

Der Campingplatz hat mir ganz gut gefallen, nur daß es kein Toilettenpapier auf den Klos gibt, ist etwas unpraktisch. Glücklicherweise habe ich für diesen Fall vorgesorgt. Hier gibt es das erste Mal seit langem auch mal wieder Stehklos, die ich persönlich ja eigentlich recht angenehm finde.

Ich habe übersehen, daß die Kasse des Campingplatzes erst ab 9 Uhr geöffnet ist, bin aber nur 15 Minuten zu früh dran, so daß ich damit nicht wirklich ein Problem habe.

Eigentlich habe ich Split als Ziel für den heutigen Tag auf dem Navi programmiert, habe aber Zweifel, nein, bin echer sicher, daß ich das nicht schaffen kann. Die Straßen an der Küste entlang werden vermutlich doch viel Zeit kosten, denke ich.

Daher entscheide ich, möglichst direkt Richtung kroatische Grenze zu fahren, auch wenn ich kurz verführt bin, einen Umweg durch Trieste zu machen, um es noch mal mit der Maschine zu besuchen. Gemeinsam mit Brigitte war ich schon mal mit der damals noch nagelneuen Maschine in Trieste und es gibt davon noch nette Fotos und Erinnerungen.

Aber ich entscheide mich doch dafür, lieber etwas Strecke zu machen. Der erste Grenzübergang, der diesen Namen verdient, steht mir bevor. Für Kroatien muß ich auch noch Geld wechseln. Ich entscheide mich, 100 Euro in Kuna zu wechseln. Die "letzte Wechselstube" vor der Grenze bietet sich dafür natürlich an. Dort steht schon ein Motorrad, dessen Fahrer bereits in der Wechselstube steht. Ich wechsle 100 Euro in kroatische Kuna.

Der Motorradfahrer spricht mich überraschenderweise auf Deutsch an. Ich hatte mein Motorrad so geparkt, daß er schon aus der Wechselstube heraus das deutsche Nummerschild gesehen haben kann. Er fragt mich, wohin ich fahre, ob nach Süden an der Küste entlang, vielleicht Albanien? Ich bejahe beides. Er schlägt vor, eine Weile gemeinsam zu fahren.

Ich frage ihn, ob er auch zeltet. Er verneint. Er sei schon beinahe fünfzig Jahre alt und brauche etwas Komfort für seinen Rücken. Ich lache und erzähle, daß ich bereits über fünfzig Jahre alt bin und die letzten 3 Nächte gezeltet habe.

Die italienische Fahrstunde beginnt. Ohne F. wäre ich vermutlich nie so weit gekommen, da mein Fahrstil doch zivilisiert deutsch ist. Dazu gehört, daß man bei durchgezogenen Mittelstrichen nicht überholt und sich auch in Staus vor Ampeln nicht vordrängelt. Auch an das Überholen in vielen Lebenslagen, die in Deutschland schlichtweg undenkbar sind, muß ich mich erst gewöhnen. Das Repertoire italienischer und deutscher Motorradfahrer ist doch sehr unterschiedlich, was allerdings seinen Grund in einem anderen Umgang zwischen Zwei- und Vierradfahrern in den südlichen Ländern hat. Im Verkehr in südlichen Ländern sind Zweiradfahrer einfach viel präsenter und akzeptierter. Viele Autofahrer fahren auch Zweiräder oder haben diese mal gefahren und sind so viel toleranter im Umgang mit den sich vordrängelnden Zweirädern. Auch beim Überholen wird in aller Regel von Autofahrern den Motorradfahrern Platz eingeräumt zum Einfädeln, manchmal sogar fahren sie weiter rechts, damit sich (trotz Gegenverkehr) eine Gasse für die Motorradfahrer in der Mitte bildet. Das ist man alles von Deutschland nicht gewohnt. Dort regieren die Rechthaber auf der Straße.

So rauschen wir gemeinsam die ersten Kilometer die Küste gemeinsam entlang. An einer windigen Bucht halten wir das erste Mal an und teilen uns das Pannini meines Begleiters und meine Butterkeckse und nehmen noch einen Expresso in einem Cafe. Wir tauschen uns ein wenig aus, lernen uns ein bisschen kennen und beschliessen, dass wir bis gegen Mittag weiterfahren und dann in einem Restaurant etwas zu essen.

An einem sehr lauschigen Örtchen machen wir nach einem Tankstopp halt an einem Restaurant direkt unten an der Küste und essen lecker Risotto mit Tintenfisch.

Ich gehe auf das Ziel meines Mitfahrers für diesen Tag, Split, gerne ein, ist es ja eigentlich auch mein Ziel für den Tag. Wir beschliessen gemeinsam ein Zimmer am Abend zu suchen und schon geht die Hatz über die kroatische Küstenstraße los. Es wir der Tag der größten Kilometerleistung (zumindest wenn man die Tage mit Autobahn-Fahrten nicht zählt), beinahe 500 Kilometer kurvige Landstraße.

Allerdings kommen wir erst spät in Split an. Es ist schon nach 19 Uhr. Wir fahren direkt ins Zentrum. Dort stellen wir die Motorräder ab und suchen ein Zimmer. Mein italienischer Mitfahrer fragt gerade an einem Kiosk, da werden wir schon von einer älteren Dame angesprochen, die eigentlch so gut wie keine Fremdsprachen-Kenntnisse hat, uns aber ein Zimmer ganz in der Nähe in einer 2-Zimmer-Wohnung mit Bad zeigt, das für unsere Zwecke völlig OK ist. In unserem Zimmer sind zwei Einzelbetten. Das andere Zimmer wird von einem deutschen Paar bewohnt, das mit dem Motorrad zuvor schon in Albanien unterwegs war, wie wir am nächsten Morgen noch feststellen.

Das Abstellen unserer Motorräder auf dem dafür vorgesehenen Platz in der Nähe der Wohnung wird eine Herausforderung. Die Einbahnstraßen-Regelungen in Split sind schwer durchschaubar und wir finden in mehreren Anläufen nicht den richtigen Weg. Erst ein Motorradfahrer, den ich anspreche, führt uns in die richtige Richtung. Dort kann ich ihm dann die richtige Seitenstraße zeigen und wir drehen noch eine Runde durch die Einbahnstraßen und kommen an eine Stelle, an der er uns einen Torbogen zeigt, durch den wir hindurchfahren müssen. Auf der Suche sind wir fünf Mal an einem Polizeiwagen vorbeigekommen, der gerade einen kleinen Unfall aufnimmt, einmal waren wir dabei in einer Einbahnstraße engegen der Fahrtrichtung unterwegs. Die haben sich vermutlich ganz schön gewundert, über die vielen großen Motorräder, die an ihnen vorbeigefahren sind. Für uns war es in dem Moment etwas stressig, aber im Nachhinein ist es eine lustige Anekdote.

Das Zimmer kostet 20 Euro pro Person und Nacht und ist völlig ok. Sauber, Bettwäsche vorhanden und gerade mal 5 Minuten Fußweg vom Zentrum entfernt.

Nachdem wir uns präsentabel gemacht haben, gehen wir zum Essen ins Zentrum. Split ist sehr schön, nette Plätze, schöne Gassen. Wir essen gut, machen viele Scherze, telefonieren in einem Google+-Hangout mit Brigitte (wie in vielen Restaurants und Hotels auf der gesamten Reise ist es hier kein Problem, WLAN zu bekommen; man muss immer nur die Bedienungen bitten, das richtige Netz zu wählen und das Passwort einzugeben). Danach schlendern wir durch die Innenstadt.

Zuletzt verschlägt es uns noch in eine Szenekneipe. Wir haben viel Spaß und lachen viel. Es wird spät. Erst um halb zwei sind wir wieder auf dem Zimmer. Etwas überdreht fällt das Schlafen nicht so leicht und erholsam aus, wie es vielleicht nötig wäre, aber der Tag war wirklich sehr schön und ereignisreich.