Samstag, 30.04.2016

Von Elbasan nach Peshkopia

 

Am Morgen unterhalten wir uns beim Frühstück mit zwei englischen Damen, die mit Bussen und Taxi unterwegs sind und sich vorwiegend für Altertümer interessieren. Eine sehr amüsante Morgenunterhaltung, auch wenn wir eine der beiden Damen kaum verstehen, da sie sich beim Sprechen nicht gerade um Verständlichkeit bemüht.

Beim Packen der Motorräder unterhalte ich mich noch sehr interessant mit der Rezeptionistin über die Situation in Albanien. Sie sagt mir, dass sie im Hinbliick auf die Zukunft ihrer Kinder schon daran denken würden, ins Ausland zu gehen. Die Korruption, Rechtsunsicherheit, das mangelhafte politische und gesellschaftliche System macht doch sehr vielen Menschen hier zu schaffen.

Nach einigem Hin- und Herüberlegen haben wir uns entschieden, wieder nach Norden zu fahren. Wir haben noch kein wirkliches Gefühl für die zu fahrenden Distanzen und befürchten, dass wir keine Zeit mehr für die hoch gelobten Touren im Norden Albaniens haben, wenn wir weiter in den Süden fahren.

So soll es heute erst mal in Richtung Peshkopia nach Nordosten gehen. Markus Motorradtourenführer verspricht eine offroad-Strecke dorthin. Diese stellt sich aber bald als eine ziemlich breit in die Landschaft planierte Schotterstrecke heraus, die sehr gut zu fahren ist, aber gegenüber den Touren der vergangenen Tage ein wenig langweilig wirkt. Ob der Grund für den guten Ausbaustatus in dem riesigen Anwesen auf halber Strecke liegt?

Wir kommen wegen der guten Straße schon um die Mittagszeit in Peshkopia an. Da wir uns überlegt haben, heute noch weiter bis nach Fushë Lurë zu fahren, aber nicht wirklich wissen, ob die Gästehäuser dort überhaupt geöffnet haben, fällt mir bei der Einfahrt nach Peshkopia ein Schild mit der Aufschrift Tourist-Info positiv auf, dem ich dann bis in den Stadtkern nachfahre. Die Hauptstraße ist zur Mittagszeit für Fahrzeuge gesperrt. Ich spreche einen jungen Mann an, der glücklicherweise auch passabel Englisch kann - natürlich war auch er schon mal auf Asyl in Deutschland, wie er mir später noch erzählen wird. Ich erkläre ihm, dass ich das Schild Tourist-Info gesehen hätte und ob er weiss, wo diese ist. Ich erzähle ihm auch, dass ich eigentlich nur die Auskunft darüber will, ob denn die Gästehäuser in Fushë Lurë geöffnet sind.

Die Tourist-Info von Peshopia

Wir stellen die Motorräder ab und ich gehe mit dem jungen Mann los, die Tourist-Info zu suchen. Die Beschilderung führt erst mal zu einem Gebäude, in der aber nichts ist, was nach Tourist-Info aussieht. Kein Problem meint der junge Mann, gehen wir in die "Cantine sociale" um die Ecke, wo die alten Männer des Ortes eifrig am Spielen, Rauchen und Käffchen trinken sind. Großer Auftritt in Motorradklamotten. Mein Begleiter bekommt eine Auskunft, die uns einen Hügel hinaufführt zu einem Hostel, von dem ich auch schon im Reiseführer gelesen habe. Das Eingangstor dort ist abgeschlossen, aber es hängt eine Telefonnummer dort. Mein Begleiter ruft an und erhält die Auskunft, dass jemand kommt. Hmmmh, ist nur die Frage wann? Vielleicht hätte ich auch einfach am Telefon meine Frage loswerden können. Na gut, wir warten. Schon nach kurzer Zeit kommt ein Teenager an, der wohl die heute wohl für die Tourist-Info zuständig ist. Er öffnet das Tor und schickt uns erst mal auf die Terrasse des Hostels. Nach kurzer Zeit öffnet er die Tür zum Büro des Hostels oder der Tourist-Info. Ich erkläre ihm mein Anliegen und erhalte ziemlich schnell die Antwort, dass es sicher dort geöffnete Gästehäuser gäbe. Mir dämmert so allmählich, dass meine Frage eigentlich ziemlich dämlich war. Die Leute in den Gästehäusern leben dort. Die sind wahrscheinlich immer da und selbst wenn sich im tiefsten Winter jemand dahin verirren sollte, wird man wohl noch eine Unterkunft finden.

Na gut, zurück zu Markus an die Hauptstraße.

Ich frage meinen Begleiter noch nach einem guten Restaurant. Er sagt, wir sollen mit den Motorrädern rechts um die Ecke fahren, er wartet dann da auf uns und zeigt uns ein Restaurant.

Nun, erst muss ich mal Markus finden. Der hat sich mittlerweile auf eine Sitzbank in der Nähe der Motorräder gesetzt und ist umringt von einem älteren Herrn und drei jüngeren Albanern. Er hatte reichlich Zeit, seine eigene Kommunikation zu betreiben. Mit dem älteren Herrn geschah das zunächst nonverbal in Zeichensprache, so dass Markus den Eindruck erhielt, der Mann könne nicht sprechen. Als dann aber die drei jüngeren Albaner dazukamen, die Markus in Englisch ansprachen, machte der Alte dann doch plötzlich seinen Mund (in Albanisch) auf.

Es ist unglaublich, diese selbstverständliche Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit.

Da mein junger Begleiter schon eine Weile warten muss, bis wir uns wieder angezogen und auf die Motorräder gesetzt haben, dränge ich ein wenig zur Eile. Der steht sicher 10-15 Minuten an der Straße bis wir endlich zu ihm finden. Er zeigt auf ein Restaurant- und Hotelgebäude, das er uns für das Mittagessen empfiehlt und wir verabschiedet sich freundlich von uns. Es ist unglaublich, diese selbstverständliche Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit.

Das Mittagessen im den recht schicken Restaurant und Café ist wieder mal sehr lecker.

Wir beschliessen, dass wir uns auf den Weg nach Fushë Lurë machen. Wir wollen schauen, wie weit wir kommen. Vielleicht klappt es ja noch an diesem Tag. Doch schon nach etwa 20 Kilometern geraten wir überraschenderweise auf eine offroad-Strecke, obwohl wir hier für weitere etwa 30 Kilometer eher eine asphaltierte Straße erwartet hätten. Da wir auf der gewählten Strecke, die von Süden in den Parku Kombëtar Lurë nach Fushë Lurë im Norden führen soll, ziemlich viele offroad-Kilometer haben werden, beschliessen wir umzukehren, da es sehr unsicher ist, ob wir das heute noch schaffen würden, ohne in echten Streß zu geraten.

Also zurück nach Peskopia auf Hotelsuche. Zuerst schaut sich Markus das Restaurant/Hotel an, in dem wir bereits gegessen haben, findet aber, dass die Zimmer dort ziemlich bescheiden sind. Das weiteres Hotel am Ort findet sich schnell, dort sind die Zimmer etwas besser und eine Hoteltiefgarage hat es auch. Und bei dieser Garage ist das Wort "tief" wirklich zu Recht gewählt. Die Rampe in die Garage geht so steil hinunter, dass man beim Ein- und Ausfahren den Kopf einziehen muss und ich mich nach dem Parken schon beunruhiigt frage, wie ich denn am nächsten Morgen hier wieder rauskommen soll.

In einem Abfallcontainer entdeckt Markus einen kleinen Welpen.

Nach Dusche machen wir einen Abendspaziergang und gönnen uns erst mal ein Bierchen. Von der Terrasse des Cafés/der Bar haben wir einen exzellenten Überblick über das Geschehen in der Stadt. Einige Fahrzeuge kommen wiederholt an uns vorbeigefahren. Ausserdem ist ein kleiner inoffizieller Minibusbahnhof in Blickrichtung. Markus interessiert besonders, warum so viele Autos  in eine Straße hoch fahren. So schlendern wir um das Rätsel zu ergründen noch in eine Nebenstraße in dieser Richtung. Die Häuser sind schon zum Teil in erbärmlichem Zustand und vermutlich auch innen nicht viel besser als das was wir von außen sehen. In einem Abfallcontainer entdeckt Markus einen kleinen Welpen. Manchmal ist diese Armut und Trostlosigkeit schon recht schwer auszuhalten.

Am Abend essen wir noch mal in dem uns bereits bekannten Restaurant.