Montag, 09.05.2016

Von Shkodra nach Plav in Montenegro

 

Nach dem Frühstück packen wir zusammen und werden bereits von dem älteren Herrn erwartet. Er wollte uns unbedingt persönlich verabschieden. Zur Verabschiedung bekommen wir noch jeder eine Rose, die wir uns an den Lenker stecken.. An diesem Tag der Fahrt, habe ich immer wieder den Rosenduft in der Nase. Die Rose soll mich bis nach Hamburg zurück begleiten.

Dieser Abschied ist auch schon der erste Abschied von Albanien. Heute wollen wir über Vermosh Albanien in Richtung Montenegro verlassen.

Wir bzw. unser Navi wählt die Strecke über Zagorë, die uns nach Goraj schon etliche Kilometer offroad beschert. Nachdem wir auf die SH20 kommen, haben wir bis Tamarë eine bestens ausgebaute Straße vor uns, die wir dem Engagement der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) verdanken, die auch das weitere Ausbauvorhaben bis zur montegrinischen Grenze unterstützt. Von Tamarë bis nach Lepushë ist der Streckenausbau jetzt aber noch eine teilweise recht breite gut zu befahrende Schotterstrecke, die gelegentlich durch Baustellen behindert wird. Wie schnell diese Baustellen vorangehen, muss sich wohl noch weisen. Der Baufortschritt scheint bereits in 2015 recht ähnlich gewesen zu sein.

Ich halte wegen des Staubs heute relativ großen Abstand zu dem vorausfahrenden Markus. An den Baustellen, an denen die Straße kurzfristig gesperrt ist, treffen wir uns wieder. Einmal wird ein Entwässerungsrohr quer zu Straße verlegt und wir haben mit dem entgegenkommenden Verkehr etwa eine halbe Stunde zu warten.

In Lepushë gibt es zwei kleine Gaststätten und wir beschließen, dort eine Rast einzulegen. Wir haben noch genügend Lek, die wir noch loswerden können. Die Kommunikation mit dem Gastwirt ist nicht so einfach, da er kaum Englisch, nur ein bisschen Italienisch spricht, aber er bietet uns einen Blick auf die Wurst in der Kühltruhe und wir vereinbaren mit ihm, dass er uns einfach von allem irgendwas machen soll. Einige Minuten später bekommen wir schon eine tolle Mahlzeit auf den Tisch, der nichts fehlt. Einfach klasse. Der Gastwirt setzt sich zu uns, da sonst nicht wirklich was zu tun ist und wir versuchen mehr schlecht als recht eine Kommunikation mit ihm. Irgendwann kommt ein ca. 15 jähriger Junge dazu, der im Sinn hat, sich von uns ins nächste Dorf mitnehmen zu lassen. Er kann etwas Englisch, was unserem Gastwirt ein bisschen missfällt, da er jetzt ein wenig ins Abseits gerät. Naja, kann man nichts machen. Wir beschliessen, den Jungen nicht mitzunehmen. Man weiss hier nie wie die Straßen werden und im schlimmsten Fall mit einem Jugendlichen ohne Schutzkleidung auf dem Sozius einen Ausrutscher zu haben, diese Vorstellung behagt und nicht. Er zeigt sich aber glücklicherweise von dieser Erklärung nicht allzu verärgert.

Von Lepushë bis zur Straße von der montenegrinischen Grenze ins Tal von Vermosh hinein, ist die Straße noch in sehr schlechtem Zustand. Gut, dass wir den Jungen nicht mitgenommen haben. In der Nähe zur Grenze verdichtet sich die Anzahl der in Albanien so zahlreichen und typischen pilzartigen Einmann-Bunker noch mal.

Wir machen noch einen kleinen Abstecher ins Vermosh-Tal hinein, kehren aber bald nach den ersten offroad-Kilometern wieder um, da wir nicht den Eindruck haben, dass es sich besonders lohnt, noch viel weiter zu fahren.

Bei einem Bauern im Vermosh-Tal kaufe ich mit einem Teil unseres restlichen Geldes noch eine Flasche selbstgebrannten Raki, der sich aber zuhause als ziemlich heftiges Zeug herausstellt.

Dann machen wir uns ein wenig traurig auf zur Grenze. Die Menschen in Albanien waren so freundlich zu uns, dass es uns schon ein wenig schwer fällt, uns von hier zu verabschieden.

Der Grenzübergang hier ist wirklich winzig und beschaulich. Noch so richtiig mit Schlagbaum, der von Hand geöffnet wird. Sehr schön. Genauso auf der montegrinischen Seite, die wir nun betreten.

Mit dem montegrinischen Grenzbeamten sprechen wir noch kurz und lassen uns von ihm ein Hotel empfehlen, von dem wir auch schon von anderen Reisenden gehört haben. Wir finden das schön am Plavsko jezero, dem Plav-See, gelegene Hotel Kula Damjanova und checken dort ein. Hier treffen sich die Paraglide-Flieger und andere coole Sportarten betreibenden Leute. Gerade ist die quasi-Nationalmannschaft der Paraglider aus Tschechien hier, die sich auf dem Weg nach Vlora in Albanien befindet, wo eine Meisterschaft ausgetragen werden soll.

Von ihnen bekommen wir den Tipp, dass man auf einer Strecke den Berg gegenüber hinauf einen schönen Blick auf den See hinab hat. Da es noch früh ist, machen wir uns gleich auf, die Strecke mal auszuprobieren. Anfangs ist diese noch recht unproblematisch, wird dann aber doch immer matschiger und rutschiger. Schon mit Markus kleinerer Maschine ist das kein Spaß mehr, so dass ich vor einer Steigung, an der Markus schon schwer zu kämpfen hat, aufgebe und signalisiere, dass wir vielleicht doch besser umdrehen. Hier helfen die Stollenreifen nichts mehr, da sie sich schnell zusetzen und man überhaupt keinen Grip mehr hat.

Unsere Motorräder sind von dem kleinen Ausflug allerdings noch einmal mehr schmutzig geworden. Nun ja, das wollten wir ja.

Beim Abendessen beschliessen wir, dass wir über das Naturschutzgebiet Durmitor am nächsten Tag nach Sarajevo fahren wollen, das Markus noch nicht kennt. Ich habe kein Problem damit, dort noch ein zweites Mal nach 2013 hinzufahren. Es hatte mir dort gut gefallen.